Historisches Gemälde – Kunstgeschichte nahe Bad Westernkotten

Über 1000 Jahre Geschichte – vom Salinendorf zum Heilbad

Bad Westernkotten ist ein Ortsteil der Stadt Erwitte im Kreis Soest, Nordrhein-Westfalen. Entlang des historischen Westfälischen Hellwegs gelegen, blickt der Ort auf eine der längsten Salztraditionen in der Region zurück. Was heute ein staatlich anerkanntes Sole- und Moorheilbad ist, begann vor über tausend Jahren mit natürlichen Solequellen.

1027: Uralte Solequellen – Das „weiße Gold“ des Hellwegs

Die Geschichte der Salztradition reicht weit vor die Entstehung des Ortes selbst zurück. Am 7. April 1027 schenkte Kaiser Konrad II. den Erwitter Königshof mitsamt den Westernkötter Salzquellen an den Paderborner Bischof Meinwerk – einer der frühesten urkundlichen Belege für die wirtschaftliche Bedeutung dieser Quellen.

Im Mittelalter war Salz das wichtigste Konservierungsmittel und ein kostbares Handelsgut. Am 21. Juni 1312 zählte Westernkotten bereits 92 Salzhäuser – ein beeindruckender Beleg für seine Stellung als Salinenort im Hellwegraum. Die Sole wurde über Gradierwerke aufkonzentriert: Über die mit Schwarzdornreisig bespannten Holzwände lief die Sole und verdampfte schrittweise, bis ein hoher Salzgehalt erreicht war.

1444: Entstehung des Ortes – Die Soester Fehde

Den Ortsnamen „Westernkotten“ gab es lange nicht. Rund um die Salzquellen lagen die kleinen Dörfer Aspen, Hockelheim, Domhof, Swiek, Ussen und Weringhausen. Im Dezember 1444 wurden diese Dörfer in der sogenannten Soester Fehde zerstört und fielen wüst. Die Bewohner siedelten sich neu in der Nähe der Salzquellen an – so entstand „Cothen“, aus dem das heutige Westernkotten wurde.

Der Name erklärt sich aus dem Paderborner Blickwinkel: „Western-kotten“ bedeutet der westlichere Salzort – eine direkte Parallele zum benachbarten Salzkotten. „Kotten“ oder „Cothen“ ist niederdeutsch für Haus oder Hütte.

Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung des Ortes datiert auf das Jahr 1258 (Urkunde Johann von Padberg, „in Villa Cothen“). Eine ältere Nennung als „Cothun“ aus dem Jahr 976 in den Corveyer Traditionen kann laut Forschung nicht sicher Westernkotten zugeordnet werden.

1506: Die Landwehr – ein Schutzwall für die Salzquellen

Im Jahr 1506 wurde eine fast vollständig umlaufende Dorflandwehr angelegt – ein Wall-Graben-System mit Hecken und Bäumen, das das gesamte Dorf einschloss. Für Westfalen ist das ausgesprochen selten. Die Landwehr diente dem Schutz der wertvollen Salzquellen, Gradierwerke und Salzhütten. Teile der Anlage sind noch heute im Gelände erkennbar – und in den Straßennamen Ostwall, Südwall, Westwall und Nordwall lebt die Erinnerung fort.

1603: Erste gedruckte Beschreibung

Die erste gedruckte Beschreibung Westernkottens erschien 1603 als Salinenbuch von Johann Thölde – ein zeitgenössisches Zeugnis für die überregionale Bedeutung der Saline.

1635: Pest und Lobetag

Im Jahr 1635 suchte die Pest Westernkotten heim. Nur etwa 20 Menschen überlebten. Die Überlebenden legten ein Lobetagsversprechen ab – der Lobetag, eine Marienandacht mit Prozession, wird seitdem jährlich begangen und gilt als das älteste religiöse Fest des Ortes.

1748: Die Schäferkämper Wassermühle

Am 12. Januar 1748 erhielt der Graf von Kaunitz-Rietberg die Konzession zum Bau der Schäferkämper Wassermühle, die noch im selben Jahr fertiggestellt wurde. Die 1994 aufwendig restaurierte Mühle steht heute unter dem Schutz der NRW-Stiftung und ist eines der schönsten historischen Ausflugsziele rund um Bad Westernkotten.

1842: Die Geburt des Heilbades

Ein entscheidender Wendepunkt war das Jahr 1842: Der von Papensche Rentmeister Franz Erdmann – evangelischer Christ in einem überwiegend katholischen Ort – setzte erstmals die Westernkötter Sole zu Heilzwecken ein. Mit drei hölzernen Badewannen im heutigen Kurhaus begann der Solbadebetrieb. Das Kurhaus gilt als die Wiege des Heilbades Bad Westernkotten (150-jähriges Jubiläum: 1992).

Erdmann wurde 1843 erster Gemeindevorsteher von Westernkotten und gründete 1849 den ersten Bienenzuchtverein Westfalens und Rheinlands. Er starb 1851. Ab 1871 stand das Solbad im Eigentum der Familie Wiese aus Erwitte.

1845: Neue Solequelle im Kurpark

Am 1. August 1845 wurde beim Bohren im heutigen Kurpark in 78 Metern Tiefe eine kräftige Solequelle angezapft – ein weiterer Meilenstein für den wachsenden Heilbadebetrieb.

1853: Karl Theodor Weierstraß in Westernkotten

Am 11. September 1853 verfasste der Mathematiker Karl Theodor Weierstraß – der „Vater der modernen Analysis“ – in Westernkotten seine berühmte Abhandlung „Zur Theorie der Abel’schen Funktionen“. Weierstraß hatte enge Beziehungen zum Ort und hinterließ damit eine wissenschaftliche Rarität in der Ortsgeschichte.

Ende der Salzgewinnung – Neustart als Kurort

Die fiskalische Saline wurde 1868 stillgelegt, das Salzmonopol aufgehoben. Im Jahr 1949 wurde das letzte Siedehaus verkauft – das Ende einer über 900-jährigen Salzgewinnung. Doch daraus erwuchs ein Neuanfang: Am 1. Mai 1950 gründete sich die Solbad Westernkotten GmbH, der Badebetrieb wurde wiedereröffnet.

1958: Verleihung des Titels „Bad“

Am 19. Juli 1958 feierte Westernkotten seine 700-Jahr-Feier – und erhielt den offiziellen Titel „Bad“. Gleichzeitig wurden eine neue Kurhalle im Kurpark, eine neue Schützenhalle und das erste Heimatbuch der Gemeinde eingeweiht.

1968 und 1975: Zweite Solequelle und staatliche Anerkennung

Im Jahr 1968 wurde eine zweite Solequelle „Im Westerfeld“ erbohrt. Am 25. März 1975 erhielt Bad Westernkotten die höchste Einstufung als „Staatlich anerkanntes Heilbad“ – eine Auszeichnung, die strenge Anforderungen an Heilquellen, Kurinfrastruktur und klimatische Eignung stellt. Am 1. Januar 1975 war Bad Westernkotten Stadtteil der Stadt Erwitte geworden.

1981: Eröffnung der Hellweg-Sole-Thermen

Am 31. Oktober 1981 eröffneten die Hellweg-Sole-Thermen – das moderne Sole-Erlebnisbad, das seither das Herzstück des Kurorts bildet. Mehrere Erweiterungen (1988, 1997, 2007) folgten. Seit 2018 betreibt die heutige Badegesellschaft die Anlage eigenständig.

Bad Westernkotten heute

Heute ist Bad Westernkotten ein lebendiger Kurort, der seine lange Tradition mit modernen Wellness-Angeboten verbindet. Veranstaltungen wie das Schützenfest (seit 1694), das Promenadenfest, das Lampionfest und der Lobetag (seit 1635) tragen die westfälischen Traditionen weiter.

Die historischen Gradierwerke im Kurpark – das ältere davon stammt aus dem Jahr 1934 – erinnern an die Salinengeschichte, ebenso das Ortswappen mit dem Sälzerhaken (verliehen 1936).

Wer die Geschichte und das Kurklima Bad Westernkottens persönlich erleben möchte, findet im Flair Hotel zur Therme oder in den Ferienwohnungen Bad Westernkotten komfortable Unterkünfte direkt am Kurpark und an den Hellweg-Sole-Thermen.

Bad Westernkotten im Überblick – von der Salzgeschichte bis zum heutigen Kurbetrieb.

Häufige Fragen zur Geschichte Bad Westernkottens

Wann wurde Bad Westernkotten zum Heilbad?

Das Heilbad Bad Westernkotten wurde 1842 gegründet: Der von Papensche Rentmeister Franz Erdmann setzte erstmals die Westernkötter Sole zu Heilzwecken ein – mit drei hölzernen Badewannen im heutigen Kurhaus. Das 150-jährige Bestehen wurde 1992 gefeiert.

Wann erhielt Westernkotten den Titel „Bad“?

Den offiziellen Titel „Bad“ erhielt Westernkotten am 19. Juli 1958 anlässlich der 700-Jahr-Feier. Der Titel setzt staatlich anerkannte Heilquellen, eine Kurinfrastruktur und klimatische Eignung voraus.

Woher kommt der Name „Westernkotten“?

Nach der Soester Fehde (1444) siedelten sich Bewohner zerstörter Nachbardörfer neu rund um die Salzquellen an. Aus Paderborner Sicht war „Cothen“ (= niederdeutsch: Haus/Hütte) der westlichere Salzort – daher „Western-kotten“, in Abgrenzung zum benachbarten Salzkotten.

Wann wurden die Hellweg-Sole-Thermen eröffnet?

Die Hellweg-Sole-Thermen eröffneten am 31. Oktober 1981. Seitdem wurden sie mehrfach erweitert (1988, 1997, 2007). Seit 2018 betreibt die heutige Badegesellschaft die Anlage eigenständig.

Wann ist Bad Westernkotten staatlich anerkanntes Heilbad?

Die offizielle Anerkennung als „Staatlich anerkanntes Heilbad“ erfolgte am 25. März 1975. Dies ist die höchste Einstufung für einen Kurort in Deutschland und erfordert regelmäßige Qualitätsprüfungen der Heilquellen.

Was sind die Gradierwerke in Bad Westernkotten?

Die Gradierwerke im Kurpark sind historische Einrichtungen zur Aufkonzentration der Sole: Die Salzlake wird über mit Schwarzdornreisig bespannte Holzwände geleitet und verdampft dabei schrittweise. Das ältere der beiden heutigen Gradierwerke stammt aus dem Jahr 1934.


Quellen: Wolfgang Marcus, „Chronologie von Bad Westernkotten“ (datiertes Ereignisverzeichnis 696–2007); Wolfgang Marcus, Vortrag „Bad Westernkotten einst und jetzt“, 21. Mai 2025. Wolfgang Marcus war Ortsvorsteher von Bad Westernkotten 2004–2020. Weitere Quellen: Heimatverein Bad Westernkotten (PDF-Archiv). – Diese Seite ist ein unabhängiges Informationsangebot, kein offizielles Stadtportal.