Über 1000 Jahre Salztradition — vom Salinendorf am Westfälischen Hellweg zum staatlich anerkannten Sole- und Moorheilbad.
Bad Westernkotten ist ein Ortsteil der Stadt Erwitte im Kreis Soest. Entlang des historischen Westfälischen Hellwegs gelegen, blickt der Ort auf eine der längsten Salztraditionen der Region zurück. Was heute ein staatlich anerkanntes Sole- und Moorheilbad ist, begann vor über tausend Jahren mit natürlichen Solequellen — dem „weissen Gold" des Hellwegs.
Von der ersten urkundlichen Erwähnung der Salzquellen bis zum modernen Kurort — die wichtigsten Wendepunkte der Ortsgeschichte.
Am 7. April schenkt Kaiser Konrad II. den Erwitter Königshof samt den Westernkötter Salzquellen an Bischof Meinwerk von Paderborn — einer der frühesten urkundlichen Belege für die Bedeutung der Sole.
Westernkotten zählt bereits 92 Salzhäuser und ist ein bedeutender Salinenort im Hellwegraum. Die Sole wird über Gradierwerke mit Schwarzdornreisig schrittweise aufkonzentriert.
Die Dörfer Aspen, Hockelheim, Domhof, Swiek, Ussen und Weringhausen werden zerstört. Die Bewohner siedeln neu an den Salzquellen an — so entsteht „Cothen". Der Name bedeutet aus Paderborner Sicht der westlichere Salzort, in Abgrenzung zum benachbarten Salzkotten.
Ein fast umlaufendes Wall-Graben-System schützt Salzquellen, Gradierwerke und Salzhütten — für Westfalen ausgesprochen selten. In den Strassennamen Ost-, Süd-, West- und Nordwall lebt die Erinnerung bis heute fort.
Die Pest sucht den Ort heim — nur etwa 20 Menschen überleben. Ihr Lobetagsversprechen begründet den Lobetag, eine Marienandacht mit Prozession und das älteste religiöse Fest des Ortes.
Graf von Kaunitz-Rietberg erhält die Konzession zum Mühlenbau. Die 1994 restaurierte Mühle steht heute unter dem Schutz der NRW-Stiftung. Mehr zur Wassermühle ›
Rentmeister Franz Erdmann setzt die Westernkötter Sole erstmals zu Heilzwecken ein — mit drei hölzernen Badewannen im heutigen Kurhaus, der Wiege des Heilbades. 1845 wird im Kurpark in 78 m Tiefe eine kräftige Solequelle erbohrt.
Der Mathematiker Karl Theodor Weierstrass — „Vater der modernen Analysis" — verfasst hier seine berühmte Abhandlung zur Theorie der Abel'schen Funktionen.
Die fiskalische Saline wird 1868 stillgelegt, 1949 das letzte Siedehaus verkauft — das Ende einer über 900-jährigen Salzgewinnung. 1950 gründet sich die Solbad Westernkotten GmbH und eröffnet den Badebetrieb neu.
Zur 700-Jahr-Feier am 19. Juli erhält Westernkotten offiziell den Titel „Bad" — zusammen mit neuer Kurhalle, Schützenhalle und dem ersten Heimatbuch.
Am 25. März erhält Bad Westernkotten die höchste Einstufung als „Staatlich anerkanntes Heilbad". 1968 war bereits eine zweite Solequelle „Im Westerfeld" erbohrt worden.
Am 31. Oktober eröffnen die Hellweg-Sole-Thermen — das moderne Sole-Erlebnisbad, seither das Herzstück des Kurorts. Erweiterungen folgen 1988, 1997 und 2007.
Bad Westernkotten verbindet seine lange Tradition mit modernen Wellness-Angeboten. Schützenfest (seit 1694), Lobetag (seit 1635), Promenaden- und Lampionfest sowie die historischen Gradierwerke tragen die westfälische Geschichte weiter.
Quellen: Wolfgang Marcus, „Chronologie von Bad Westernkotten" (Ereignisverzeichnis 696–2007) und Vortrag „Bad Westernkotten einst und jetzt" (21. Mai 2025). Wolfgang Marcus war Ortsvorsteher von Bad Westernkotten 2004–2020. Weiteres: Heimatverein Bad Westernkotten. — Diese Seite ist ein unabhängiges Informationsangebot, kein offizielles Stadtportal.
Das Heilbad wurde 1842 gegründet: Rentmeister Franz Erdmann setzte erstmals die Westernkötter Sole zu Heilzwecken ein — mit drei hölzernen Badewannen im heutigen Kurhaus. Das 150-jährige Bestehen wurde 1992 gefeiert.
Den offiziellen Titel „Bad" erhielt der Ort am 19. Juli 1958 anlässlich der 700-Jahr-Feier. Der Titel setzt anerkannte Heilquellen, eine Kurinfrastruktur und klimatische Eignung voraus.
Nach der Soester Fehde (1444) siedelten sich Bewohner zerstörter Nachbardörfer rund um die Salzquellen neu an. Aus Paderborner Sicht war „Cothen" (niederdeutsch für Haus/Hütte) der westlichere Salzort — daher „Western-kotten", in Abgrenzung zum benachbarten Salzkotten.
Die offizielle Anerkennung als „Staatlich anerkanntes Heilbad" erfolgte am 25. März 1975 — die höchste Einstufung für einen Kurort in Deutschland, verbunden mit regelmässigen Qualitätsprüfungen der Heilquellen.
Die Hellweg-Sole-Thermen eröffneten am 31. Oktober 1981 und wurden mehrfach erweitert (1988, 1997, 2007). Seit 2018 betreibt die heutige Badegesellschaft die Anlage eigenständig.
Die Gradierwerke im Kurpark dienen der Aufkonzentration der Sole: Die Salzlake läuft über mit Schwarzdornreisig bespannte Holzwände und verdampft schrittweise. Das ältere der beiden heutigen Gradierwerke stammt aus dem Jahr 1934.
Gradierwerke, Kurpark, Wassermühle und Hellweg-Sole-Thermen — die Geschichte Bad Westernkottens lässt sich bei einem Aufenthalt direkt erwandern.
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Zuletzt aktualisiert: 8. Juni 2026